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Oft missverstanden: Die acht Schritte der Veränderung nach J. Kotter

John Kotter, ein renommierter Experte für Veränderungsmanagement, hat in seinem Modell acht Schritte zur erfolgreichen Veränderung beschrieben. Diese Schritte sind weit verbreitet und bilden einen wichtigen Rahmen für Transformationen in Unternehmen. Doch wie bei vielen theoretischen Modellen gibt es auch hier Missverständnisse und Fehlinterpretationen. In diesem Artikel wollen wir einen genaueren Blick auf Kotters acht Schritte werfen und die häufigsten Missverständnisse aufklären.

Die acht Schritte von Kotter: Ein Überblick

Kotters Modell besteht aus acht klar definierten Schritten, die eine Veränderung in einer Organisation vorantreiben sollen. Diese Schritte umfassen:

  1. Dringlichkeit erzeugen: Das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Veränderung schaffen.
  2. Führungskoalition bilden: Ein starkes Team aus Führungskräften und Schlüsselpersonen schaffen.
  3. Vision und Strategie entwickeln: Eine klare Vision für die Veränderung und eine Strategie zur Umsetzung definieren.
  4. Kommunikation der Vision: Die Vision in der gesamten Organisation kommunizieren.
  5. Handlungsfähigkeiten ermöglichen: Hindernisse beseitigen und den Mitarbeitern die Mittel zur Umsetzung geben.
  6. Kurzfristige Erfolge erzielen: Kleine, schnelle Erfolge feiern, um Motivation und Unterstützung zu sichern.
  7. Erfolge konsolidieren: Weitere Veränderungen umsetzen und die neue Richtung festigen.
  8. Veränderung verankern: Die Veränderung in der Kultur der Organisation verankern.

Ein Missverständnis: Sind es wirklich acht Schritte in Reihenfolge?

Oft wird Kotters Modell als eine strikte, lineare Reihenfolge von acht Schritten verstanden, die nacheinander abgearbeitet werden müssen. Doch dies ist ein Missverständnis. Die acht Schritte sind nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge zu verstehen, sondern vielmehr als Elemente, die zusammen die Veränderung ermöglichen. Sie sind wie Zutaten in einem Rezept – jede Zutat hat ihren Platz, aber es kommt darauf an, wie man sie miteinander kombiniert, um das richtige Ergebnis zu erzielen.

Die Reihenfolge der Schritte kann variieren, je nach den spezifischen Umständen und Bedürfnissen der Organisation. Wichtiger ist es, diese Elemente miteinander zu kombinieren und in einer integrierten Vorgehensweise umzusetzen. Das Ziel ist es, die Veränderung systematisch zu orchestrieren, um eine nachhaltige Transformation zu erreichen.

Die Zutaten allein machen noch kein Rezept

Die acht Schritte, so wie sie von Kotter beschrieben wurden, sind zwar wesentliche Elemente für eine erfolgreiche Veränderung, doch sie allein garantieren noch keine erfolgreiche Umsetzung. Es kommt auf die richtige Kombination und Integration dieser Schritte an. Wie bei einem Rezept für ein Gericht sind die Zutaten wichtig, aber es sind die Vorgehensweisen und die Integration der Elemente, die den Erfolg ausmachen.

Erst wenn alle Elemente – von der Dringlichkeit über die Kommunikation bis hin zur Verankerung der Veränderung in der Unternehmenskultur – auf die richtige Weise orchestriert werden, entsteht ein vollständiges Rezept für erfolgreiche Veränderung.

Peter Kruse: 8 Schritte zum totalen Stillstand?

Ein weiteres interessantes Modell stammt von Peter Kruse, der die gleiche Zahl von Schritten verwendete, um zu beschreiben, wie eine Organisation in den Stillstand geraten kann. Diese Perspektive zeigt, dass Veränderungen nicht immer linear verlaufen müssen und dass auch Missverständnisse in der Anwendung von Veränderungsprozessen zu unerwünschten Ergebnissen führen können.

Kruse warnt vor der Gefahr, sich ausschließlich auf starre Prozesse zu verlassen, ohne die flexiblen, dynamischen Aspekte von Veränderungen zu berücksichtigen. In einer agilen Organisation kann dies zum Stillstand führen, wenn die Veränderungsprozesse nicht den realen Bedürfnissen der Organisation gerecht werden.

Open Space Agility und Lean Change Management als ergänzende Methoden

Um die acht Schritte von Kotter in einem agilen Umfeld erfolgreich umzusetzen, kann es sinnvoll sein, Methoden wie Open Space Agility und Lean Change Management zu integrieren. Beide Konzepte bieten eine flexible Herangehensweise an Veränderungsprozesse:

  • Open Space Agility fördert Selbstorganisation und Kollaboration. Es ermutigt Teams, eigenständig Lösungen zu entwickeln und Veränderung voranzutreiben.
  • Lean Change Management legt den Fokus auf kontinuierliches Lernen und die schrittweise Umsetzung von Veränderungen, um eine nachhaltige Transformation zu gewährleisten.

Diese Ansätze können helfen, Kotters Schritte zu ergänzen, indem sie den Wandel an die Bedürfnisse einer agilen Organisation anpassen.

Coaching als Schlüssel zur erfolgreichen Veränderung

Neben den strukturellen Elementen der Veränderung ist auch die persönliche Ebene von entscheidender Bedeutung. Hier kommt Coaching ins Spiel. Auf der individuellen Ebene kann Coaching dabei helfen, die persönlichen Blockaden zu überwinden und die Veränderung zu einem persönlichen Ziel zu machen. Auf der Organisationsebene kann Coaching in Form von Methoden wie dem LACE-Coaching (Lean-Agile Center of Excellence) eingesetzt werden, um Teams und Führungskräfte in ihrer Veränderungsfähigkeit zu unterstützen.

Fazit: Veränderung ist mehr als nur acht Schritte

Die acht Schritte von Kotter bieten einen nützlichen Rahmen, aber sie sind keine starre, lineare Methode. Um eine erfolgreiche Veränderung zu gestalten, müssen diese Schritte flexibel und in einem kontinuierlichen Prozess miteinander kombiniert werden. Die richtige Vorgehensweise, die passende Integration von agilen Methoden und die individuelle Unterstützung durch Coaching sind entscheidend, um die Veränderung nachhaltig zu gestalten.

Veröffentlicht unter Exzellenz in agilen Organisationen

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