- Technik
Die Marktzulassung
Aufgrund gesetzlicher Rahmenbedingungen für Produktsicherheit darf der Lead-Kunde den Plant-Watcher bisher nicht produktiv einsetzen. Das liegt vor allem an vorgeschriebenen Zulassungen für die eingesetzte Sensorik. Letztere liegt in Form von Prototypen vor, die zwar funktionell getestet sind, jedoch keine offizielle Marktzulassung haben.
Um dies zu erlangen, müssen vorgeschriebene Tests hinsichtlich elektrischer Sicherheit, elektromagnetischer Verträglichkeit und Explosionsgefährdung absolviert und nachgewiesen werden. Da der Lead-Kunde den Plant-Watcher auch in Anlagen außerhalb der Europäischen Union einsetzen möchte, kommen weitere Zertifizierungen, wie z.B. UL, hinzu. Ohne diese darf die Anlage in den jeweiligen Wirtschaftsräumen nicht verkauft werden.
Erfahrungsgemäß ist die Erlangung aller notwendiger Zulassungen ein langwieriger Prozess, der genaue Normen-Kenntnis erfordert. Weiterhin ist es hilfreich entsprechende Experten der Zulassungsbehörden frühzeitig mit einzubinden.
Zunächst werden durch den Entwicklungsverbund begleitende Vorprüfungen in einem Labor durchgeführt, um den Reifegrad der Sensorik-Prototypen zu ermitteln. Dabei wird festgestellt, dass gerade im Bereich EMV und Explosionssicherheit die jeweiligen Prüfvorschriften noch nicht erfüllt werden und eine weitere Überarbeitung notwendig ist.
Der dabei auftretende zeitliche Verzug für den gewünschten Markteintritt beim Lead-Kunden erscheint dem Kern-Team jedoch zu hoch.
Aufgrund der Business Vision „Schneller mit neuen Lösungen am Markt sein“ wird entschieden, zunächst mit der gelabelten Fremdsensorik, welche bereits alle Zulassungen besitzt, an den Markt zu gehen (hier nur für den Lead-Kunden). Parallel dazu soll die funktions- und kostenoptimierte Eigensensorik überarbeitet und zugelassen werden. Dies geschieht in enger Begleitung durch ein Zulassungsteam.
Nach Fertigstellung und Zulassung der Eigensensorik soll die weltweite Marktfreigabe des Plant-Watchers auch für andere Kunden erfolgen.
- Organisation
Ein Experten-Team für Zulassungen dockt an
Da der Entwicklungsverbund aktuell keine Erfahrungen im Bereich Produktzulassungen besitzt, wird entschieden, ein Expertenteam für Normen und Zulassungen an den Entwicklungsverbund anzudocken. Dieses soll den Plant-Watcher bis zur Marktreife und ggfs. darüberhinaus im Verbund begleiten.
Das Team besteht aus einem internen Normenverantwortlichen, anderen internen Zulassungsexperten (z.B. Laboringenieur, Testspezialist, usw.) und einem externen Zertifizierungsberater.
Die Rolle des Feature Owner für das neue Team „Zulassungen“ wird durch einen Normenverantwortlichen aus dem Bestandsunternehmen besetzt. Um den organisatorischen Aufwand des bisher kleinen Teams zu reduzieren, wird erstmal entschieden, auch die Rolle des Scrum Master in Personalunion zu besetzen.
Diese Doppelrolle, stellt ein gewisses Risiko dar, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen aber derzeit als gering abgeschätzt werden. Hier achtet aber der Agile Coach auf die Haltung und Art der Führung entsprechend der jeweiligen Rolle.
- Geschäftsmodell
Geschwindigkeitszuwachs führt zu anfänglichem Gewinnverlust
Die schnelle Markteinführung führt zu einem deutlich schlechteren Gewinn aus dem Eaas-Geschäftsmodell, da die Fremdsensorik von SenseMeTec noch zugekauft werden muss. Die Geschäftsführung der Fa. SenseMeTec unterstützt hier allerdings den Entwicklungsverbund.
Es wird als wichtiger angesehen, frühzeitig am Markt zu sein und auf Kundenwünsche schnell zu reagieren zu können, als direkt Gewinne zu maximieren.
Man verspricht sich dadurch zukünftig ein nachhaltiges neues Geschäftsfeld und ist dafür zu einem gewissen geschäftlichen Risiko bereit.
- Agile Aspekte (Erkenntnisse)
Die Vorgabe der einen Priorität (Erreichung der Zulassung) bedingt höhere Flexibilität bei der Planung innerhalb des Gesamtverbunds
Die Aufgaben des Agile Coach verteilen sich aktuell auf zwei Schwerpunkte:
Der erste Schwerpunkt ist der Aufbau und die Stabilisierung des Zulassungsteams. Agile Grundlagen, Abläufe, Verhaltensweisen und Prinzipien sind unter dem inhaltlichen Druck einer Zulassung zu vermitteln. Bedingt durch die geringe Anzahl notwendiger Mitglieder im Zulassungsteam wurde die Rolle des Feature Owner und die des Scrum Master einer Person zugeordnet. Da diese Person zusätzlich in die fachliche Führung eingebunden ist, gilt es die Belastung und auch die Wirksamkeit sehr eng zu beobachten, zu analysieren und ggf. korrigierend einzugreifen. Der Agile Coach wird hier mehr zum Personal Coach für die Führungskraft.
Ein zweiter Schwerpunkt betrifft den gesamten Entwicklungsverbund als Netzwerk durch die Integration des Zulassungsteams. Das Kommunikationsmuster des Verbundes hat sich im Gegensatz zu den vorherigen Integrationen von z.B. dem Business Model Team deutlich verändert. Dadurch ergeben sich neue Herausforderungen, um in möglichst kurzer Zeit die Leistungsfähigkeit des gesamten Verbundes zu optimieren. Ebenso hat sich auf dieser Ebene die Führung und damit die Festlegung der Priorität spezifischer Aufgaben verschoben. Die Erreichung der Zulassung hat derzeit äußersten Vorrang vor allen anderen Aufgaben im Verbund und damit werden Unterstützungsleistungen für das Zulassungs-Team im gesamten Verbund bevorzugt behandelt.
Eine neue Herausforderung für die Software-Teams und auch das Kern-Team, ist eine deutlich gesteigerte Flexibilität in der Abarbeitung der geplanten Aufgaben. Ganz konkret wurden Zusagen während der Sprintplanung nicht wie bisher auf der Basis von 70-80% der Leistungsfähigkeit (Velocity) sondern nur auf Basis von 40-50% gemacht. Der Freiraum für unerwartete Aufgaben bzw. Unterstützung wurde bewusst deutlich erweitert.
Fazit:
Die Ziellinie ist in Sicht
Im vorerst letzten Schritt stellt sich der gesammte Entwicklungsverbund auf eine möglichst schnelle Abwicklung der Produktzulassungen ein und ordnet alle anderen Aktivitäten dem unter.
Das notwendige Monitoring des Betriebs des Plant Watcher ENDEbeim Lead-Kunden und die daraus möglicherweise resultierenden Arbeiten werden trotzdem mit hoher Zuverlässigkeit durchgeführt.